Interactive Art

Android Theater

Preis: Anerkennung - Honorary Mentions

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KünstlerInnen:
Oriza Hirata (JP), Hiroshi Ishiguro (JP)

Adresse (URL):
http://www.irc.atr.jp/Geminoid/index.html

Cyberarts 2011 - International Compendium Prix Ars Electronica 2011

Worin gründen die Präsenz, die Ausstrahlung und Autorität eines Menschen? Wie können diese Wesenszüge erfasst, simuliert und auf Roboter übertragen werden? Der von uns als Klon real existierender Menschen entwickelte Android Geminoid versucht diesen Fragen auf den Grund zu gehen. Ein Geminoid ist in Aussehen und Verhalten seinem menschlichen Vorbild nachempfunden.

Der Technik der Künstlichen Intelligenz ist es bislang nicht gelungen, das menschliche Verhalten in all seiner Komplexität nachzubilden: Roboter geben beispielsweise nur einfache Antworten auf Fragen, wodurch der Erforschung der Mensch-Roboter-Interaktion klare Grenzen gesetzt sind. Dank einer komplexen Fernsteuerung des Geminoid konnte dieses Hindernis überwunden werden: Mensch-Roboter-Interaktionen können nun ebenso wie typisch menschliche Eigenschaften umfassend erforscht werden.

In der Geminoid-Forschung sind zwei grundlegende Ansätze zu erkennen: Zum einen konzentriert man sich auf die Entwicklung funktioneller Fernsteuerungsmechanismen und die Programmierung möglichst natürlich wirkender menschlicher Bewegungsmuster; und zum anderen auf kognitive Prozesse zur Untersuchung typisch menschlicher Eigenschaften und des Menschseins. Durch die Kombination beider Ansätze soll eine Generation hoch entwickelter Roboter entstehen, die dem Menschen stark ähneln und gleichzeitig neue Einblicke in die menschliche Natur gewähren.

Hiroshi Ishiguro und Oriza Hirata haben gemeinsam ein Theaterprojekt für Mensch und Roboter entwickelt, das Theater mit Ishiguros Studien zur Kohabitation der beiden verbindet. Der Prozess der Entstehung eines Theaterstücks und dessen Aufführung dienen gleichzeitig als Datenbasis für Ishiguros Forschung – die Darbietung mutiert so zu einer innovativen Form der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Theater. Eines der Stücke, Sayonara. ist ein innovatives kurzes Theaterstück für den Geminoiden F, einem 2010 im Ishiguro-Labor entwickelten, einer realen Frau nachgebildeten humanoiden Roboter, und für eine Schauspielerin, in dem es um die Frage geht: „Was bedeuten Leben und Tod für Menschen und Roboter?“ Das Stück verändert die Vorstellungen des Publikums von Robotern und Menschen und ist ein fesselndes Beispiel für die Verknüpfung von Theater und Wissenschaft.