Computer Animation Film VFX

Metachaos

Preis: Goldene Nica - Golden Nica



KünstlerInnen:
Alessandro Bavari (IT) / Alessandro Bavari Studio

Adresse (URL):
http://www.alessandrobavari.com/

Cyberarts 2011 - International Compendium Prix Ars Electronica 2011

Das Metachaos – aus dem Griechischen von „Meta“ („jenseits”) und „Chaos“ („jenem Abgrund, in dem sich der ewig formlose Zustand des Universums versteckt”) – zeigt primitive amöboide Formen ohne präzise Morphologie und ist durch Mutation und Mitose (Zellteilung) gekennzeichnet.

Und tatsächlich sind auch die Körper im Film Metachaos, obwohl von scheinbar anthropomorpher Gestalt, in Wirklichkeit ohne Identität und Bewusstsein. Sie existieren gefangen in einem raum- und zeitlosen Zustand, einem feindlichen und dekadenten Hyperuranium, in dem eine Festung in ständiger Bewegung die Landschaft dominiert in der Verteidigung einer harmonischen aber fragilen parallelen Dimension über dem Himmel. Getrieben vom destruktiven Instinkt, die Vorhölle ihrer Dimension zu überwinden, dringt die Mutanten-Horde in das Innere der Festung ein und belagert sie wie ein Virus. Ähnlich dem Gleichgewicht eines physiologischen Kontinuums bei der menschlichen Rasse wird der Status der Dinge zurückgeführt zur Ursuppe.

Metachaos ist ein multidisziplinäres audiovisuelles Projekt, in Form eines Kurzfilms, eines Sets von Fotos und von Gemälden in Mischtechnik. Ziel des Projektes ist es, die tragischsten Aspekte der menschlichen Natur und die sie treibenden Kräfte, wie Krieg, Wahnsinn, sozialen Wandel und Hass, darzustellen. Es ist eine Ansammlung von Gefühlen, metaphorisch dargestellt durch spezifische visuelle Formen, die konzeptuell zwar abstrakt, formal hingegen konkret und greifbar sind. Die Anwendung von Säuren und monochromatischen Farbtönen macht – neben den starken Kontrasten – alles absichtlich noch bedrückender und tragischer.

Um eine stärker immersive und plausiblere Version zu erhalten, wurden die Filmaufnahmen mit Hilfe einer Live-Kamera-Technik geschossen. Die extreme frenetische Bewegung der Schulterkamera, ähnlich wie ein subjektiver Blick, wird zu einer Konstanten, die gemeinsam mit den konstanten Schnitten des Videos ein verstärktes Gefühl von Instabilität und Angst einführt. Dank der Demokratisierung der Technologie ist tatsächlich ein unbewusstes ästhetisches Potential bei den auf YouTube verfügbaren Videos festzustellen, die sich meist durch einen amateurhaften pseudo-dokumentarischen Charakter auszeichnen, aber dennoch häufig unerwartet emotional ansprechend sind, was zu einer Art exhibitionistisch-voyeuristischen Austausch zwischen dem Autor und dem Konsumenten führt.

Die irrationale Gestik und Handlungsweise der Körper – als würden sie von kollektivem Wahnsinn gesteuert – ist von Künstlern wie Bosch und Breughel inspiriert, die im 15. und 16. Jahrhundert eine Ikonographie schufen, in der irrationale Bilder Krankheit, Wahnsinn und Schmerz zeigen. Das Projekt wurde mit verschiedenen Techniken realisiert: Live-Aufnahmen in verlassenen Industriegebäuden, CG-Animation, Tracking und Motion Capture sowie andere analoge Techniken.

Der Amerikaner Jeff Ensign, a.k.a. Evolution Noise Slave, komponierte den Original-Soundtrack, der während der Videoproduktion schrittweise upgedatet wurde. Die Musikpartitur bezieht ihre Inspiration aus sechs separaten von Jeff früher einmal komponierten Stücken, die jetzt zu einer Hybridform kombiniert wurden. In Teilen stützt sich die Komposition auf die klangliche Interpretation der Ideen, die Antonin Artaud in seinem Theater der Grausamkeit präsentiert, mit darübergelegten Bildern von Bavari.