Hybrid Art

Pigeon d'Or

Preis: Auszeichnung - Award of Distinction



KünstlerInnen:
Tuur Van Balen (BE)

Adresse (URL):
http://www.tuurvanbalen.com/projects/pigeon-dor, www.tuurvanbalen.com

Cyberarts 2011 - International Compendium Prix Ars Electronica 2011

Die menschliche Spezies ist nur ein Rädchen im gigantischen Getriebe des urbanen Metabolismus und intrinsisch in organische Strukturen eingebunden, die ihr Verständnis übersteigen. Dieses komplexe Gewebe wird das Betätigungsfeld der Biotechnologie der Zukunft sein. Pigeon d’Or versucht, Taubenkot in ein Reinigungsmittel zu verwandeln, und versteht sich zugleich als Vorschlag, Wildtauben als Plattform und Schnittstelle für synthetische Biologie im urbanen Raum einzusetzen.

Die synthetische Biologie ermöglicht es, durch eine Veränderung des Stoffwechsels von Tauben, den im Allgemeinen als „fliegende Ratten“ verachteten Tieren, eine neue Funktion zu verleihen. Im Rahmen des Projekts wird ein spezielles Bakterium entwickelt, das, wenn es an Tauben verabreicht wird, deren Fäkalien in ein Reinigungsmittel verwandelt, dabei aber für die Tiere ähnlich harmlos bleibt wie Joghurt für Menschen.

Mit der Manipulation von Taubenkot und dem Entwurf geeigneter architektonischer Schnittstellen dafür thematisiert das Projekt zugleich die ethischen, politischen, praktischen und ästhetischen Konsequenzen von Biodesign.

Im Rahmen des Projekts werden zwei Objekte präsentiert. Das eine ist eine Vorrichtung, mit der die Tauben in das eigene Haus, die Architektur miteinbezogen werden können. Dieses Taubenhaus wird am Fensterbrett angebracht und ermöglicht es, die Tauben zu füttern, voneinander zu trennen, einzelne Tiere auszuwählen und durch verschiedene Ausgänge ins Freie zu entlassen. Als solches ist es eine Voraussetzung für besagte Reinigung der Stadt.

Das zweite ist eine Konstruktion, die auf geparkten Autos montiert wird und mit deren Hilfe das produzierte Reinigungsmittel auf die Windschutzscheibe gebracht werden kann. Für dieses Objekt wurden Bakterien entwickelt, die ein biologisches Scheibenputzmittel erzeugen. Diese Bakterien produzieren Lipasen und senken den ph-Wert, wodurch Fett- und Schmutzspuren auf der Windschutzscheibe beseitigt werden können.

Tauben sind eine ideale Plattform und Schnittstelle für urbane Biotechnologien. Sie werden von vielen als Krankheitsüberträger angesehen, wobei man den Taubengegnern entgegenhalten könnte, dass diese eigentlich ein Produkt der Biotechnologie sind und einst speziell dazu gezüchtet wurden, hübsch auszusehen, Post zuzustellen und Spionage zu betreiben, Salti zu schlagen oder Wettrennen auszutragen. Das Projekt nimmt auch Bezug auf die lange Tradition der Taubenrennen.

Credits:
In collaboration with James Chappell at the Centre for Synthetic Biology, Imperial College London. Thanks to Pieter Baert, Jan Boelen, Rob Culverhouse, Simon Delobel, Cate Edgar, Toby Hadden, Keith Plastow, Albert Stratton, Kasper Van Rompay & Joep Verburg. Supported by the Flemish Authorities