Digital Musics & Sound Art

eye contact with the city

Preis: Anerkennung - Honorary Mentions



KünstlerInnen:
Budhaditya Chattopadhyay (IN)

Adresse (URL):
http://budhaditya.org/?page_id=11

Cyberarts 2011 - International Compendium Prix Ars Electronica 2011

Während meiner ersten Woche in Bangalore im Rahmen der IFA Bangalore Artist Residency 2010 begegnete ich auf der Straße einem alten Hund. Er sah mich an und ich blickte direkt in seine etwas verschleierten Augen. Dieser nur einen Augenblick dauernde Kontakt inspirierte mich dazu, unter die Oberfläche der unmittelbaren Aktualität zu schauen. So entdeckte ich jene Indolenz, die den städtischen Charakter von Bangalore ausmacht und die mich ein starkes Interesse an der Untersuchung des Lebens, der Landschaft und des Erbes der Stadt entwicklen ließ.

Die audiovisuelle Erfahrung, die ich in den drei Monaten meines Aufenthalts sammelte, wird von der Bildwelt eines urbanen Wachstums dominiert; die Bauarbeiten an einer Stadtbahn fressen sich unaufhörlich durch große Teile der Metropole und verletzen dabei nicht nur die natürlichen urbanen Landschaften; auch beim Sammeln ihres auditiven Erbe dringt ständig der Klang infrastruktureller Entwicklung ein. Eine einfache Frage stellt sich hier: Warum wird die Stadtbahn überhaupt gebraucht? Nur um ein paar Minuten einzusparen? Aber Bangalore scheint zu jenen Städten zu gehören, die an die Nicht-Eile glauben!

Aus diesem Grund ist das Projekt, das ich während dieses Aufenthalts betrieb, eine Untersuchung der Langsamkeit im Kontext der urbanen Konstellation von Bangalore. Langsamkeit ist eine Einstellung, die einen geschärften Sinn für Zeit und Geschichte einschließt; gefundene Klänge, die ich aus der Sammlung gebrauchter Bänder vom Flohmarkt und aus privaten Archiven entnommen habe, lieferten mir einen Einblick in das auditorische Vermächtnis der Stadt sowie Samples für die verschiedenen Klangschichten. Zeitlupenvideos von Nahaufnahmen von Straßen und Verkehr wiederum erlaubten mir, die wichtigsten Verkehrsadern der Stadt in bewegten Bildern zu erfassen, wobei sich der überwältigende Klang der Bautätigkeit dann und wann wieder einschleicht und sich diverse Teilchen von beschädigten Bändern in den zyklischen Klängen der Maschinenwelt wiederfinden. Die ganz und gar konstruierte audiovisuelle Immersion, die diese nicht ortsspezifische Installation reproduziert, kann als mein Eindruck der Stadt, gesehen durch das Zwinkern des Auges eines trägen Hundes am Gehsteig, verstanden werden.